Der Fluch der Mittelmässigkeit

“Es lastet auf dieser Zeit der Fluch der Mittelmässigkeit”

Mit diesem Zitat von Kurt Tucholsky (1890-1935) leitete Frau Dr. med. Brigitte Muff, Mitglied des Zentralvorstandes der FMH, ihren erfreulich deutlichen Artikel in der schweizerischen Ärztezeitung (SÄZ, 2007; 88(4):125) über die gravierenden Veränderungen im schweizerischen Gesundheitswesen und das Raumgreifen medizinfremder Vorschriften und Prioritäten zulasten der eigentlichen medizinischen Arbeit ein.

“So wie die Spinne mit ihrem Faden die Beute umgarnt, bis diese sich nicht mehr bewegen kann, so werden wir von Reglementen und Zielvorgaben in die Enge getrieben, bis auch wir nur noch an Ort treten können.”

Sie spricht auch die grassierenden “Pseudoqualitätsmessungen” an:

“Wir müssen dauernd optimieren, dabei wird übersehen, dass die Patienten deutlich mehr von der Qualität unserer Arbeit profitieren würden, wenn wir uns ihnen mehr widmen könnten.”

Sie fasst die aktuelle Situation zusammen:

“Wir sind wieder ein Volk von Sammlern und Jägern geworden, sammeln Punkte und Credits und jagen den vorgegebenen Zielen und Pseudoqualitätsanforderungen nach und vergessen dabei, innezuhalten und zu reflektieren und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich unsere Patienten mit der entsprechend notwendigen Ruhe nach bestem Wissen zu behandeln.”

Ich möchte anmerken, dass wir m. E. nicht nur vergessen innezuhalten und zu reflektieren, sondern dass uns jede Möglichkeit und Zeit geraubt wird, dies zu tun.

Sie finden den Artikel von Frau Dr. Brigitte Muff unter folgendem Link:

http://www.saez.ch/pdf_d/2007/2007-04/2007-04-068.PDF

Die interessanten Leserbriefe zu diesem Artikel und die Replik von Frau Dr. Muff in der heutigen Ausgabe der SÄZ finden Sie hier:

http://www.saez.ch/pdf_d/2007/2007-11/2007-11-279.PDF

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