Archiv für Februar 2007

Vertrauensarzt – Entscheidungskompetenz ohne Therapieverantwortung???

Donnerstag, 01. Februar 2007

Wieder ein Fall, wo ein Vertrauensarzt nach einer eineinhalbstündigen Befragung eines Patienten zu einer Einschätzung kommt, die für mich als behandelnden Arzt medizinisch nicht nachvollziehbar ist und die der tatsächlichen Beeinträchtigung und Einschränkung durch die psychische Krankheit in keiner Weise gerecht wird. Ich sehe eine 100% Arbeitsunfähigkeit und die Notwendigkeit einer Rente, der Vertrauensarzt der IV sieht jedoch nur eine 30-40%ige Arbeitsunfähigkeit und damit offenbar auch einen ganz anderen Weg.

Das Problem dabei: Der Kollege, der die Entscheidung getroffen hat, hat seine Arbeit mit dieser Feststellung beendet. Eine Klärung dieser merkwürdigen “Diskrepanz” in den Beurteilungen zweier Fachärzten ist im System nicht vorgesehen. Ich bin mit meinem Latein vorerst am Ende, bin aber nach wie vor in der Therapieverantwortung gegenüber meinem verzweifelten Patienten.

Korrekt fände ich, wenn der Vertrauensarzt seine Entscheidung auch selber “verantworten” müsste, indem er die Behandlung auf Basis seiner eigenen Beurteilung übernimmt und dadurch beweist, dass es besser geht. Natürlich wird dies nie geschehen, denn dann wäre die mit vollem Kalkül eingeführte Spaltung zwischen Entscheidungskompetenz (Vertrauensarzt) und Therapieverantwortung (behandelnder Arzt) ja wieder neutralisiert. Wenn man auf diese fragwürdige Abspaltung von Kompetenz und zugehöriger Verantwortung verzichten und vertrauensärztliche Fehlentscheidungen nicht vor berechtigten Regressansprüchen schützen würde, fielen die Urteile unserer Kollegen sicher bedeutend zurückhaltender aus, es liesse sich dann aber auch nicht so trefflich sparen.

Managed Care und ärztlicher Auftrag

Donnerstag, 01. Februar 2007

Ich meine, wir müssen uns klar sein, dass Managed Care weder dem medizinischen Auftrag noch den Bedürfnissen unserer Patienten dient. Managed Care ist eine Sammlung marktwirtschaftlicher Kontroll- und Steuerungsinstrumente, mit denen die geschützte Interaktion zwischen Patient und Arzt und die Behandlungswege von aussen kontrollier- und beeinflussbar gemacht werden sollen. Es blockiert und erschwert den Weg vom Patient zum Arzt. Von “Optimierung” und “Effizienzsteigerung” im medizinischen Sinne kann hier sicher keine Rede sein. Solche Veränderungen hätten wir längst angenehm gespürt. Wo Managed Care die Kontrolle übernimmt, wird es ungemütlich und aufwendiger. Es geht ausschliesslich um die Effizienz und Optimierung der Geldverteilung und der Systemprozesse, nicht um Medizin! Weder Ärzte noch Patienten werden die Profiteure dieses Systemwechsels sein. Wir werden im Gegenteil immer mehr Aufwand betreiben müssen und dabei in kaum lösbare Rollenkonflikte kommen (Stichwort: Budgetverantwortung), um trotz Managed Care-Bedingungen alle bedürftigen Patienten erreichen und dabei dieselben Therapieerfolge erzielen zu können. Deshalb sollten wir uns der Einführung von Managed Care widersetzen.


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